Höhenübertragung mit hängendem Messband
HTWD/Robin Ullrich
Ein Tachymeter bei der Höhenübertragung mit hängendem Messband im Hintergrund
Erstellt von Prof. Dr.-Ing. Robin Ullrich |

Praxisnahes Studieren: Innovative Messmethoden in der Ingenieurgeodäsie

Wie praxisnah und vielseitig ein Geomatik-Studium sein kann, zeigt ein aktuelles Praxisprojekt der Ingenieurgeodäsie an der HTWD. Studierende und Lehrende untersuchten das Setzungsverhalten eines Maschinenhauses im laufenden Betrieb. Das Projekt verbindet Theorie und Praxis und macht moderne Messmethoden im Studium unmittelbar erlebbar.

Innovative Messmethoden unter realen Industriebedingungen

Ziel des Projekts war es, hochgenaue Höheninformationen in einem komplexen Industriebau zu erfassen und auf ein amtliches Höhenbezugssystem zurückzuführen. Hintergrund war der Verdacht auf ein ungleichmäßiges Setzungsverhalten des Gebäudes, das die präzise Ausrichtung von Turbinen und Generatoren beeinflussen kann. Solche Aufgaben sind typisch für die Ingenieurgeodäsie und spielen auch im Bauwesen eine zentrale Rolle.

Die Messungen fanden unter anspruchsvollen Bedingungen statt. Schwer zugängliche Messpunkte, starke Temperaturunterschiede zwischen den Ebenen, Zugluft sowie Vibrationen durch laufende Maschinen stellten hohe Anforderungen an die Messtechnik. Zum Einsatz kam deshalb eine intelligente Kombination verschiedener Verfahren. 

Ein zentrales Element war das Präzisionsnivellement. Dabei handelt es sich um ein besonders genaues Verfahren zur Höhenbestimmung, bei dem kleinste Höhenunterschiede mit speziellen Nivelliergeräten und Messlatten erfasst werden. Durch wiederholte Messungen und sorgfältige Ausgleichung lassen sich Höhen im Submillimeterbereich bestimmen. Ergänzend kamen redundante Höhenübertragungen, das trigonometrische Nivellement und moderne Lasertracker-Messungen zum Einsatz. Gemeinsam bildeten sie eine belastbare Messstrategie für die komplexe Industrieumgebung.

Geomatik studieren mit starkem Praxisbezug

Das Ergebnis spricht für sich. Selbst unter realen Industriebedingungen ließen sich Höhenunterschiede im Submillimeterbereich bestimmen. Die gewonnenen Messdaten bilden eine verlässliche Grundlage zur Bewertung von Setzungen und Verformungen in Bauwerken.

Genau diesen praxisnahen Ansatz verfolgt das Studium der Geomatik an der HTWD. Studierende lernen nicht nur einzelne Messverfahren kennen, sondern vor allem, sie situationsgerecht einzusetzen und sinnvoll zu kombinieren. Entscheidend ist nicht das einzelne Instrument, sondern die passende Messstrategie. So entsteht ein geodätischer Werkzeugkasten, der Absolventinnen und Absolventen optimal auf komplexe Aufgaben in Ingenieurbüros, Bauprojekten und der Industrie vorbereitet.

 

Erstellt von Prof. Dr.-Ing. Robin Ullrich |